Der Club war laut, die Bässe dröhnten so tief, dass sie sie in der Brust spürte. Die Lichter zuckten in schnellen Mustern über die Menge, tauchten Gesichter in Neon und Schatten. Sie stand an der Bar, ein Cocktailglas in der Hand, das sie kaum angerührt hatte. Ihre Lippen formten ein geübtes Lächeln, das genau die richtige Mischung aus Desinteresse und Verführung ausstrahlte. Es war ein Spiel, eines, das sie zu oft gespielt hatte.
Er war da – der Typ mit der teuren Uhr und den viel zu perfekten Zähnen. Er war ein Mann, den sie nicht mochte, den sie aber zu mögen vorgab, weil das der Deal war. Sie schenkte ihm Aufmerksamkeit, ein bisschen Zuneigung, und er zahlte die Rechnungen, die sich sonst stapeln würden, wie unerledigte To-Do-Listen in ihrem Kopf.
Es war nicht nur er, dachte sie, als sie seinen neuesten Versuch eines Witzes mit einem Lachen quittierte. Es war alles. Es war die WG, die sich wie ein Gefängnis anfühlte, mit Mitbewohnern, die kaum miteinander sprachen, außer es ging um Putzpläne oder die Aufteilung der Nebenkosten. Es war der Job, den sie nur machte, weil er genug zahlte, um die Basics abzudecken, aber niemals genug, um sie wirklich frei zu machen. Und es war dieses Arrangement hier, bei dem sie vorgab, Interesse zu haben, während sie innerlich jede Sekunde zählte, die sie aufgeben musste.
Das ist Mental Health als Zahlungsmethode. Sie konnte fast hören, wie ein imaginäres Kassengerät in ihrem Kopf piepste, jedes Mal, wenn sie etwas aufgab, um durch den Tag zu kommen. Ein Stück Stolz für die Miete. Ein bisschen Würde für die nächste Rechnung. Und das leise, stetige Rinnsal ihrer Energie für alles, was dazwischen lag.
„Du bist so schön, wenn du lächelst“, sagte er plötzlich, seine Hand wanderte kurz über ihre Schulter. Es kostete sie alles, das Lächeln zu halten, das er so lobte. Sie fühlte sich nicht schön, nicht heute, nicht je. Sie fühlte sich wie eine kaputte Maschine, die trotzdem irgendwie weitermachte, weil es keine Alternative gab.
Sie nahm einen Schluck aus ihrem Glas, mehr um die Zeit zu füllen als aus echtem Durst. Ihre Gedanken wanderten zu all den Momenten, in denen sie mit sich selbst verhandelt hatte. Wie oft hatte sie sich eingeredet, dass es nur eine Phase war, dass es besser werden würde, wenn sie nur noch ein bisschen durchhielt? Doch das Durchhalten fühlte sich immer mehr wie ein Dauerzustand an.
Die Wahrheit war: Sie wusste nicht, wie lange sie so weitermachen konnte. Mental Health war eine Währung, die sie irgendwann nicht mehr haben würde, und niemand schien das zu bemerken. Alle wollten nur, dass sie funktionierte, dass sie da war, dass sie lächelte.
Er redete weiter, irgendeine Geschichte über seinen letzten Urlaub, und sie nickte, als hätte sie zugehört. Aber in ihrem Kopf war sie längst woanders. Irgendwo, wo sie nicht bezahlen musste, um einfach sie selbst zu sein. Ein Ort, der sich so fern anfühlte wie ein Traum, den sie vor langer Zeit vergessen hatte.
„Entschuldige“, sagte sie plötzlich und stellte das Glas auf die Bar. Sie hatte keine Lust mehr auf das Spiel. Nicht heute. Vielleicht nicht mehr morgen. Vielleicht nie wieder.





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